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Das Böhmische Mittelgebirge

„Das Böhmische Mittelgebirge ist eine seltsame Bodenform zu beiden Seiten der Elbe, wie sich ihresgleichen auf der ganzen Erde nicht mehr findet. Nach einer lieblichen deutschböhmischen Stadt heißt es auch das Leitmeritzer Mittelgebirge. Nicht ganz mit Recht, denn die Stadt Leitmeritz liegt schon hart an der Grenze der Ebene, die sich schier unermesslich gegen Innerböhmen, gegen Prag hin, dehnt. Als letzten Vorposten schickt das Mittelgebirge den Georgsberg ( Řip ) bei Raudnnitz aus, von wo aus Vater Čech, der sagenhafte Stammvater der Tschechen, die zukünftige Heimat seines Volkes überschaute....

 

Als in grauer Zeit das Erzgebirge sich faltete, da riss der gegen Böheim gerichtete Südhang ab und allenthalben gähnten Löcher, Spalten, Klüfte, aus denen es hervorquoll, schwer und zäh: der dunkle Basalt und der helle Klingstein. Die geschmolzenen Massen flossen auseinander und deckten das alte Urgestein, nur stellenweise finden wir noch am Fuße eines solchen vulkanischen Berges urzeit-lichen Gneis und Porphyr, Opfer jungen Übermuts, der das Oberste zuunterst kehrte.

 

Der schönste Kegel des Mittelgebirges ist der Milleschauer, 840 m hoch. An hellen Herbsttagen soll der Blick bis zum Böhmerwald, 200 km weit, reichen, aber das Herz verlangt nicht nach dem Entfernten, es ist genug in der Nähe für Stunden hin-gebenden Schauens und Träumens. Der Donnersberg ist nur der höchste Posten einer Reihe steinerner Wächter, die von Osten nach Westen eine ungeheuerliche Kette fast bis zum Erzgebirge bilden und die alle aus Klingstein aufgebaut sind. Mitten aber in ihrem Zuge riß die Kette plötzlich entzwei und aus abgrundtiefer Spalte stieg der finstere, einsame Radelstein mit seinem Gefolge von größeren und kleineren Erhebungen. Er ist vom Milleschauer kaum anderthalb Stunden entfernt und doch anders ist der Eindruck, den er weckt. Sein Gipfel ist nicht kegelig, sondern oben liegt eine kreisrunde Wiese, gesäumt von einem Keltenwall: eine Andachts-stätte der ersten geschichtlichen Bewohner Böhmens, der Bojer, denen das Land seinen Namen dankt.

 

Jenseits des Radelsteins setzt sich die Reihe der einzelnen Klingsteinberge fort: bei Bilin steigt der Borschen auf, Böhmens Säntis, in unzähligen Gemälden und Abbildungen festgehalten, mit dem Zwergenthing und der Michaelshöhle. Zu seinen Füßen der Sauerbrunn und die Stadt Bilin, an das die ältesten Sagen der Tschechen erinnern: als die Markmänner in einer unheiligen Stunde das Land verließen, zog der Tschechenstamm der Biliner die Biela entlang, aufwärts und abwärts und trat deutsches Erbe an. Wieder Jahrhunderte später kamen aus dem benachbarten Sachsen fleißige deutsche Siedler, die Schritt für Schritt in friedlicher Arbeit das verlorene Gefilde zurückeroberten…...

 

Noch weiter südlich stehen die Flügelmänner des Mittelgebirges, hart an der Sprachgrenze, nicht viel weiter von Laun als eine Stunde: Hoblik, Millayer, Rannayer....“( H.W. Baudis. Das Böhmische Mittelgebirge. In: Das Erzgebirge und sein Vorland..Wien 1923, S. 8ff ) .  

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