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Langugest

Ortsbetreuer : Herbert Bothe, geb.1929 in Briesen, Wörth-Gümbel-Straße 2, 82380 Peißenberg, Tel.: (08803) 60247

 

Langugest lag an beiden Seiten des Bruchbaches in der Nähe von Bilin. Es war bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts ein Dorf mit deutschen Bewohnern, die von  Landwirtschaft und Fischfang lebten.

 

Am Ende des 19. Jahrhunderts und vor allem im 20. Jahrhundert wurden Langugest und das mit ihm benachbarte Briesen und Preschen ein Zentrum des nordböhmischen Braunkohlereviers. Nach der Vertreibung der überwiegend deutschen Bevölkerung 1945 wurde der Abbau der Kohle noch intensiviert. Mit der bereits 1963 beschlossene Errichtung einer Großraumgrube entzog man den Dörfern Langugest, Briesen und Preschen die Existenzgrundlage: 985 tschechische Einwohner wurden ebenfalls „vertrieben“ und insbesondere in der  Prager Vorstadt von Bilina angesiedelt. 

 

Auf dem Gemeindegebiet siedelten bereits in der vorchristlichen Zeit nachweislich  Kelten. Archäologische Ausgrabungen im 19. Jahrhundert erbrachten auf dem Grabfeld von Langugest 124 keltische Skelettgräber mit Steinumfassungen und zahlreiche Urnengräber aus dem 2. Jahrhundert v. Ch. sowie eiserne und keramische Schmelzöfen. Neben Waffen fand man auch Schmuck aus Silber, Gold und Berstein. Bei der Erschließung der Schachtanlagen entdeckten Archäologen am westlichen Rand der Gemeinde Reste einer mittelalterlichen Ansiedlung. Es handelt sich aufgrund neuerer Forschungen um den Ort  Hrncire (deutsch: Töpferdorf). der im Mittelalter zum Besitze des Zisterzienser- Klosters Osseg gehörte ( siehe Literatur).

 

Historische Daten

  • 1352         Erste Aufzeichnungen über päpstliche Zehntabgaben der Pfarrei
  • 1477         Paul Kaplirez von Sullowicz schenkt Teile des Dorfes dem Kloster Osseg
  • 1672         Der Ossegger Abt Laurentius erwirbt das gesamte Dorf, das 22 Familien umfaßt, die auch Wein und Hopfen anbauen
  • 1742         Umbau der Pfarrkirche„Zum Hl. Bartholomäus“ durch O. Broggio
  • 1808         Bestellung eines Lokal-Seelsorgers durch das Zisterzienser-Stift Ossegg und Bau des Pfarrhofes
  • 1816         Abbau keramischer Tonerde durch Familie Schubert, die auch zur Herstellung von Tonkrügen des Püllnaer Bitterwassers und des Mineralwassers des Biliner Sauerbrunn verwendet wurde
  • 1827         Hochwasser mit erheblichen Schäden im Dorf
  • 1834         Förderung von Kieskohle zur Herstellung von Alaun und Eisenvitriol
  • 1835         Besuch des Kaisers Ferdinand I. (19. September)
  • 1843         Gemeinde besitzt 426 deutsche Einwohner mit regem Vereinsleben: Feuerwehr, Schulverein, Spar- und Kreditverein, Arbeiterunterstützungsverein
  • 1846         Eröffnung des Braunkohle-und Vitriolschachts Maximilian, Zuwanderung tschechischer Bergarbeiter mit Familien, später Gründung des Leibeserziehungsvereins Sokol
  • 1859         Erhebung der Lokalie zur eigenständigen Pfarrei
  • 1866         Einmarsch preußischer truppen in Langugest
  • 1875         Bau des Schulhauses
  • 1890         Arbeitsniederlegung am „Socialistenfeiertag“ (1.Mai)
  • 1896         Entdeckung des „La Tene Grabfeldes“ durch Anton Hofmann
  • 1898         Erweiterung der Steingutproduktion durch Keramikfabrik der Familie Schubert
  • 1899         Neubau der vierklassigen Volksschule
  • 1905         Aktivitäten der „Los von Rom – Bewegung im Dorf
  • 1912         Elektrische Beleuchtung durch das E-Werk Oberleutensdorf
  • 1918         Schwierige Ernährungslage. Requisitionen bei Landwirten. Kinderverschickung nach Ungarn
  • 1919         Errichtung der tschechischen Schule
  • 1921         Bevölkerung  : 1378 Deutsche, 384 Tschechen
  • 1927         Errichtung des Tiefbauschachtes „Präsident Masaryk“, später „Konrad Henlein-Schacht“ zwischen Langugest und Preschen
  • 1935         Die Gemeinde umfasst 1988 deutsche und 481 tschechische Einwohner
  • 1936         Eröffnung der tschechischen Bürgerschule
  • 1938         Einmarsch deutscher Truppen (10.10.) in Langugest
  • 1944         Errichtung des Tagebaus Ignis, später Svoboda. Fliegerangriffe. Eintreffen schlesischer Flüchtlinge
  • 1945         Vertreibung der deutschen Bevölkerung
  • 1963         Anlegung einer Großraumgrube auf dem Gemeindegebiet
  • 1972         Beschluß der Liquitation der Gemeinde Langugest
  • 1974         Umsiedlung der 985 tschechischen Bewohner in die Prager Vorstadt in Bilin
  • 1975         Amtliche Auflösung der Gemeinde (31.12.)

Persönlichkeiten

Seelsorger von „St. Bartholomäus“ in Langugest

 

  1. P.Eugen Ef f e n b e r g e r,  1. Seelsorger vom 29.12.1808 - 05.10.1817
  2. P.Augustin S I u k a,  2.  Seelsorger vom 05.10.1817 – 08.06.1822
  3. P.Simone K n y , tertio Localista, vom 08.08.1822 - 06.01.1834,
  4. P.Ambrosio P a n n o s c h , quarto L., vom 06.01.1834 - 31.08.1837,
  5. P.Leopoldo G ö r I i c h , quinto L., vom 01.09.1837 - 01.05.1844,
  6. P.Norberto S i e m a n n , sexto L., vom 08.04.1844 - 20.06.1850,
  7. P.Rudolfo W e i n e r t ,Administ.Vll, vom 20.06.1850 - 09.05.1863,
  8. P.Wendelin M ü I I e r ,Administratore VIII, vom 09.05.1863 - 28.10.1865,
  9. P.Theodoh P e t t e r s ,Administratore IX, vom 04.11.1865 - 07.10.1872,
  10. P.Nicolaus B r a u n g a r t e n , Administratore X. vom 07.10.1872 - 30.06.1881.
  11. P.Malachias S t i n g I , Administratore XI vom 30.06.1881 - 07.08.1884,
  12. P.Nepomuceno M ü I I e r , Administratore XII vom 07.08.1884 - 06.07.1895,
  13. P.Bernard W o h I m a n n , Administratore XIII vom 06.07.1895 - 10.08.1910,
  14. P.Adiano P i e t s c h , Administratore XIV vom 10.08.1910 - 01.10.1913,
  15. P.Josepho C z e r n y , Administratore XV vom 01.10.1913 - 01.10.1922,
  16. P.Leopold H e s s e , Administratore XVI vom 01.10.1922 -14.10.1946.

 

Die Seelsorger der Pfarrei “Langugest” waren auschließlich deutsche Patres der Zisterzienser-Abtei Ossegg.

 

Literatur

 

Robert Ritter von Weinzierl 

„Das La Tène-Grabfeld von Langugest bei Bilin in Böhmen“

R.Habelt-Verlag, 1976, ISBN-10: 3774921202

 

Smrz Zdenek:

„Archäologische Erforschung des Mittelalterlichen Hofes Hrncire im Vorfeld des Schachtes Bilin“

(in: Hornicke listy, 3/2oo2; übersetzt und gekürzt von Heinz Nerlinger und Georg Wodraschke)

 

Das von den Schächten durchsetzte Gemeindegebiet von Langugest und den Nachbarorten kann man aus archäologischer Sicht in zwei räumlich verschiedenartige Bereiche unterteilen: Der erste liegt im Tal des Lukower Baches, der heute von der Radowesitz Kippe überlagert ist. Der zweite Bereich umschließ das Tal des Brucher Baches (Lomsky potok) zwischen Briesen und Liquitz und das  Tal des Ladunger Baches ( Loucensky potok). Dieses Gebiet wurde im Jahre 1896 durch die Entdeckung der größten Grabstätten der Kelten in Böhmen (120 Gräber) berühmt. Die  im Laufe von hundert Jahren durchgeführten Forschungsarbeiten und Veröffentlihungen beziehen sich  aber nur auf Teilbereiche der Ausgrabungen; eine frühgeschichtliche Auswertung und Betrachtung der Forschungsergebnisse für die gesamte Region ist bisher nicht publiziert. Als die interessante Entdeckung der letzten Zeit gilt zweifellos ein Wirtschaftshof ( grangia), der von den Kollegen Petr Meduana und Jan Blazek erforscht wurde.

 

Befund: Was sich unter der Erde verbarg

 

Bei der Aufzählung der Güter des Zistertienzer-Klosters Ossegg taucht der Namen des Dorfes Hrncire (etwa wie Töpferdorf) auf. Schriftliche Erwähnungen  darüber finden sich in der Beglaubigungsurkunde des Papstes Innozenz III. (1207) und in Aufzeichnungen, in denen ein Klosterhof erwähnt wird (1340) Dieser soll unweit des Klosters Osseg in der Nähe von Neuhof (Novy Dvur) gelegen haben. Die genaue Lage war bis 1995 unbekannt, da die Strömung des  Ossegger Baches Erdreich in die Niederungen des Bruches Baches geschwemmt und aufgehäuft hatte. Das Dorf lag an der Kreuzung Langugest – Liquitz, an der Abzweigung nach Prohn/Branany auf der linken Seite des Baches. Hier befand sich einst die Kreuzung mittelalterlicher Wege  nach Brüx, Dux, mit der Abzweigung nach Sachsen über Ossegg und eines Weges nach Oberleutensdorf.

 

Es muß ein sehr belebter Ort gewesen sein, in Friedenszeiten ein Segen, zu Kriegszeiten jedoch ein Fluch, Die archäologische Forschung der Jahre 1995-2000 war sehr schwierig, denn der Hof hatte allerlei Umbauten durchstehen müssen, ungeachtet der älteren Ansiedlungen aus der Römer(Germanen)zeit und der slawischen Besiedelung.

 

Vor der Hälfte des 13. Jahrhunderts an begannen die Mönche die ehemals unbedeutende Siedlung in einen Meierhof – grania – umzuwandeln. Darin befanden sich die Niederlassung des Verwalters und ein mächtiges hölzernes Gebäude mit einem Stockwerk in den Ausmaßen von 23 x12 m – vielleicht ein Schüttboden. Gerade dieser Bau, der den Bedarf einer kleinen örtlichen Kommunität überschreitet, läßt auf das erwähnte  Dorf Hrncire schließen. Der Gebäudekomplex war von einem um die 3 m breiten und 1 m tiefen Graben umgeben, der eine Fläche von rund 50 x 110 m begrenzte. In der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts ging wahrscheinlich wegen innerer Machtkämpfe diese erste Bauepoche zu Ende. Später wurde der Graben zugeschüttet, der Sitz des Verwalters umgestaltet und ein neuer Brunnen angelegt.

 

Im Übergang des 13. zum 14, Jahrhundert entstand in einer zweiten Bauphase die Anlage in Form einer „grangia. Nun wohnte der Verwalter des Klosters in einem repräsentativen Bau, der von einem mächtigen Graben von 6 –8 m Breite und 3 m Tiefe umgeben war. Am Ende des 14. Jahrhunderts wurde der Graben zugeschüttet, Der Verwalter ließ sich ein neues Haus bauen, Hinzu kam ein einstöckiger Schüttboden und in seiner Nähe ein Backofen. Das Areal war offensichtlich von einem Zaun umgeben. Diese Anlage gleicht in Aufbau und Funktion einer anonymen grangia, die in einer mittelalterlichen Handschrift abgebildet ist.

 

 

Resümee

Während der älteste Bau aus Holz mehr oder weniger eine Kopie der westeuropäischen Grangia war, stellt  in der jüngeren Phase die Anlage eher einen Meierhof dar, wie er bei den weltlichen und geistliche Feudalen üblich war. Das zeigen auch Funde von Gegenständen, die im Umfeld von Mönchen ungewöhnlich sind, wie beispielweise Pferdeausrüstungen und Ritterrüstungen. Diese Gegenstände weisen auf Veränderungen in der Zisterzienserökonomik hin: Das Ideal einer sich selbst versorgenden Wirtschaft wurde im Laufe der Zeit durch ein ökonomisches System abgelöst, das auf den Einnahmen der untertänigen Dörfern beruhte. Die Klosterhöfe dienten überwiegend der Verwaltung der Herrschaft. Das Konzept einer engen Verbindung von Ökonomik und Verwaltung hatte sich aber im Bereich der Ossegger Herrschaft wahrscheinlich nie in vollem Umfang verwirklichen lassen. Wann genau und weshalb der Hof einging, ist nicht festzustellen. Petr Meduna nimmt an, dass er mit  der Entstehung der Siedlung Neuhof nach und nach an Bedeutung verlor. Den letzten „Schlag“ dürften dem Meierhof Hrncire die Hussitenkriege gegeben haben...

 

Von den vielen Dörfern und Meierhöfen der Domäne des zisterzienserischen Kloster Ossegg konnten die Archäologen nur das Dorf Nesveticz, deutsch Nespeditz, Hrncire und nur torsoartig Neuhof erforschen. Alles übrige fiel entweder der Kohlenförderung vor 1990 zu Opfer oder die Überreste der Vergangenheit ruhen unerforscht unter den Fundamenten der Gebäude und umliegenden Ortschaften...

 

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