Geschichte des Vereins

In die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts fielen für den Heimatkreis Bilin die Bemühungen, die
im September 1970 zur Gründung unseres Heimatkreisvereins geführt haben.

Wie so oft bei solchen Gründungen ist der Anfang schwer zu datieren, zu groß war anfangs die Verwirrung bei allen Heimatvertriebenen, so auch bei uns aus Stadt und Landkreis Bilin. Zum größten Teil wurden unsere Landsleute zu Fuß über den steilen Anstieg des Erzge- birges in die damals "sowjetisch besetzte Zone" gejagt. Nur wenige blieben länger in der unmittelbaren Nähe zur Heimat, in Sachsen; die meisten versuchten, ihr Glück weiter westlich oder eben ganz "im Westen".

Hauptsächlich im amerikanisch besetzten Bayern gab es erste Bemühungen, die vertriebenen Stadt- und Kreisbiliner zu sammeln, insbesondere durch August Bund, den Buchhändler vom Biliner Marktplatzeck zur Reußgasse. Er fungierte gleichzeitig als erster - zunächst inoffizieller - Heimatkreisbetreuer, bis er 1949 altersbedingt von seinem Sohn Wilhelm (Vatti) Bund abgelöst wurde. Dieser starb 1954 unerwartet, und Willi Plattig, der inzwischen aus der "DDR" nach Regensburg gekommen war, sprang in die Bresche, obwohl er zum zweiten Mal alles inzwischen in Thüringen mühsam Erworbene verloren hatte und Familiengut wie auch Heimatdateien neu schaffen musste (letztere waren dort Mitanlass für StaSi-Verfolgung). Er versah das inzwischen schon zu Bund-Vattis Zeiten seitens der Sudetendeutschen Landsmannschaft institutionalisierte Amt des Heimatkreisbetreuers Bilin bis zu seinem Tod 1969. Sein Nachfolger Franz Heinrich konnte nur wenige Monate amtieren, bis auch er starb, Robert Hauptvogel (1970-1972) und Josef Schaller (1972-1975) hatten das Amt immerhin ein paar Jahre inne, und 1975 folgte ihnen dann als Heimatkreisbetreuer Franz Gobst; 2003 übernahm Hans-Werner Wanie diese Funktion.

In die Amtszeit Willi Plattigs fiel der erste Aufruf zur Gründung eines Heimatkreisvereins, dem Bestrebungen zur Gewinnung einer Patenstadt parallel liefen. Dr. Ferdinand (Friedel) Smetana, damals Syndikus der Porzellanwerke in Selb, warb unermüdlich für die Gewinnung einer Patenstadt und Gründung eines Heimatkreisvereines, so am 1. September 1963 beim "1. Biliner Treffen" im Regensburger Kolpingsaal mit einem offiziellen Aufruf zur Gründung eines Heimatkreisvereins. Bad Kissingen hatte er als Patenstadt vorgeschlagen, aber davor schreckten viele biedere Biliner zurück. Der unerwartet frühe Tod von Willi Plattig am 13. Mai 1969 verzögerte die Gründung des Heimatkreisvereins, doch haben vor allem Sepp Hopfner und Josef Weiß, beide später aktive Vereinsvorsitzende, und der Landschaftsbetreuer "Mittelgebirge", Helmut Haun, damals jüngstes Mitglied im Baden-Württembergischen Landtag, sowie Arthur Müller, später lange Schatzmeister des Vereins, und Friedel Smetana mit noch manch anderen bei allen Sudetendeutschen Tagen und bei vielen offiziellen und inoffiziellen Biliner Treffen jener Jahre darüber gesprochen. Ab Herbst 1969 boten Duxer Heimatfreunde dem Heimatkreis Bilin Gastfreundschaft bei ihren Miltenberger Treffen, und am 13.9.1970 kamen dort am Main ca. 30 Biliner zusammen, die sich zum Heimatkreisverein Biline. V. konstituierten.

Die weitere Entwicklung: Jährliche Treffen - oft in nur sehr kleinem Rahmen - in Miltenberg wurden seit 1988 abgelöst von unseren "großen Treffen" in Gerolzhofen. Unsere Kohl-Ilse (Detsch) mit ihrem lieben Rudi hatten diese zunächst eigentlich als "Klassentreffen" des Geburtsjahrgangs 1928/29 konzipiert, doch jeder weiß, wie sehr sie sich dann um unsere "großen" Treffen, um die Heimatstube Bilin am Bilinweg und um die 1992 definitiv zustande gekommene Patenschaft der Stadt Gerolzhofen mit Erfolg bemüht hatten. Den Dank an alle Aktiven unseres Heimatkreisvereins brauche ich nicht zu wiederholen, aber die Verdienste unseres Franz Gobst und unseres Patenstadt-Bürgermeisters Hartmut Bräuer und seiner Mitarbeiter in Stadtrat und Verwaltung seien nochmals dankbar hervorgehoben.
Vor allem können wir der Vorsorge unserer Biliner in den 60er Jahren Lob und Dank zollen: ohne diese gäbe es kein Biliner Treffen im schönen, uns sehr liebgewordenen Gerolzhofen.

Gekürzter Festvortrag von Prof. Dr. Karl-Heinz Plattig (Bilin/Erlangen) anlässlich des 30jährigen Bestehens des Heimatkreisvereins Bilin e.V.

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